Der Weissstorch ist trotz großer Schutzanstrengungen immer noch gefährdet und die Ernährungssituation in den Brutgebieten schlecht. Neben natürlichen Gefährdungen wie z.B. Nässe und Kälte sind wichtige Ursachen, die seinen Bestand bedrohen:
Stromtod und Störche auf einer Müllkippe. (Fotos: Holger Schulz)
Was muss getan werden, um sicherzustellen, dass auch in den kommenden Jahrzehnten die Menschen den Weissstorch nicht nur aus Filmen und Büchern kennen?
An erster Stelle steht die Wiederherstellung geeigneter Lebensräume. Störche brauchen viel Futter, um ihre Jungen grosszuziehen - Regenwürmer, Frösche, Mäuse und andere Kleintiere. Die aber sind selten geworden in unserer überbewirtschafteten Landschaft.
In der Schweiz und in anderen Ländern gibt es viele Bemühungen, den Lebensraum des Weißstorchs zu verbessern. Das geschieht auf verschiedenen Ebenen:
Beispiele für die Verbesserung des Lebensraums:
Kinder probieren schon mal die Reisigringe für die neuen Storchenhorste aus.
Die Bereitstellung von Nistmöglichkeiten stellt neben der Verbesserung des Lebensraums eine wichtige Aufgabe des Weissstorchschutzes dar. Ältere Horste fallen oft Sanierungsarbeiten an Gebäuden und Schornsteinen zum Opfer. Manchmal drängen die Energieversorger auf die Entfernung von Storchenhorsten auf Mittelspannungsmasten, so dass Ersatznisthilfen geschaffen werden müssen.
Dadurch kann man auch fördern, dass Störche in Gebieten brüten, die bislang noch nicht vom Storch besiedelt waren. Mitunter finden sich Jungstörche ein, die im Umfeld eines neuen Horstplatzes übersommern und auf der Nisthilfe übernachten.
Manchmal werden die Nisthilfen mitten in Nahrungsflächen gestellt, um die Distanz zwischen dem Nest und dem Nahrungsgebiet zu verkürzen.
(Quelle: Storchenwiesen und -weiden, BUND, Autor: Franz Beer, 2006).
Auf der Reise nach Süden begegnen die Störche vielen Gefahren: Tödliche Kollisionen und Stromschlag an Freileitungen führen zu hohen Verlusten unter den ziehenden Störchen. In Südwesteuropa fallen Störche Jägern und Schiessern zum Opfer. Andere der stolzen Vögel verenden qualvoll an Verletzungen oder Vergiftungen, die sie sich mit pestizid- und giftbelasteter Nahrung zugezogen haben. Erschreckend war die Erkenntnis, dass nur etwa 10% der in der Schweiz ausfliegenden Jungvögel auch tatsächlich hierher zurückkehren.
Die Naturschützer von "Storch Schweiz" wollten dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Aber wer die Gefahren auf den Zugrouten beseitigen will, der muss die Details kennen. Was genau sind die drohendsten Verlustursachen? Wo konzentrieren sich gefährliche Freileitungen? Wo fallen die Vögel Jägern zum Opfer? An welchen Stellen fehlt es an geeigneten Nahrungsflächen?
Im Jahr 2000 begann ein Besenderungs-Projekt in der Schweiz „SOS-Storch“, das zum Ziel hat, die besenderten Tiere der Westpopulation auf ihrem Weg ins Winterquartier zu begleiten. Das technisch sehr aufwendige Projekt brachte aufschlussreiche, aber auch alarmierende Ergebnisse, die auf der Homepage www.sosstorch.ch nachzulesen sind.
(Entnommen aus www.sosstorch.ch / Autor: Holger Schulz)
In der Zusammenarbeit zwischen der Stiftung „CICONIA“, örtlichen Naturschutzverbänden und Behörden entwickelte sich in den letzten Jahre die Idee vom „Storchenland Alpenrheintal – Bodensee mit Hegau und Oberschwaben“ – ein Arbeitstitel, der Kräfte freisetzen will, um einem überlebensfähigen Storchenbestand auf die „Beine“ zu verhelfen.
Dieser Raum umfasst die Länder Österreich, Schweiz, Liechtenstein und sechs Landkreise in Baden-Württemberg. In all diesen Staaten sind auf örtlicher Ebene Storchenschutzbemühungen bereits im Gang und haben zu Ansiedelungen von ziehenden Störchen geführt. Damit ist ein erster Schritt getan, den Bestand der nichtziehenden, angesiedelten „Zuchtstörche“ durch Wildstörche nach und nach zu ersetzen. Weitere sehr intensive Bemühungen müssen folgen.
*entnommen aus: „ Storch flieg!“ Eine Anleitung zum Beobachten und Schützen F. Beer et al. 2.Auflage, Markdorf 2003.