Storchenschutz im Europäischen Storchendorf Belozem in Bulgarien

Dimitar Popov, Verein Grüner Balkan, Plovdiv

Photos: Verein Grüner Balkan

StorchendorfMit unserm Preisgeld aus dem Wettbewerb der Europäischen Storchendörfer konnten wir ein besonderes Projekt durchführen. Ursprünglich waren drei verschiedene Aktionen mit einem Aufwand von gut 5000 Euros geplant: ein Farb-Beringungsprogramm für Weissstörche in Bulgarien, die Errichtung eines kleinen Teichs und die Installation von Nestplattformen auf dem Dach der Kirche von Belozem. Mit dem Preisgeld von 3000 Schweizer Franken finanzierten wir ein Teil dieser Aktivitäten:

Im Sommer 2010 erneuerte die Gemeinde das Dach der Geo Milev-Schule in Belozem, das Wahrzeichen unseres Storchendorfs mit seiner Kolonie von zwanzig Brutpaaren. Mit der Erneuerung der Heizung wurden alle Kamine entfernt, auch die zehn, welche vorher Storchennester trugen. Als Ersatz  produzierten wir 15 Horstunterlagen zusätzlich zu den acht bestehenden. So konnten wir insgesamt 23 Horstunterlagen auf dem Schulhausdach errichten und hoffen damit zusätzliche Storchenpaare zum Brüten anzuregen. Die neuen Plattformen wurden im September installiert, nachdem die Brutstörche den Herbstzug bereits begonnen hatten.

Die zweite Tätigkeit war das Beringungsprogramm.   

Ein Pilotprojekt Bulgarien mit den neuen achteckigen ELSA Plastikringen von der Vogelwarte Radolfszell. Die Ringe zerbrechen nicht und ihre Inschrift kann aus grösserer Distanz abgelesen werden. Mit ihnen haben die Ablese- und Rückfundraten stark zugenommen. ELSA Ringe werden heute neben Deutschland auch in Griechenland, Japan, Polen, Rumänien, Ungarn, in der Schweiz und weiteren Ländern benutzt.  Im Sommer 2010 versahen wir 114 Jungvögel mit ELSA Ringen. Mit einer Bewilligung vom Umweltministerium wurden am 18. Juni 50 Nestlinge auf den Dächern des Schulhauses und des Gemeindschaftszentrums in Belozem beringt. Ebenfalls beringt wurden weitere 65 Wildstörche aus der Tierpflegestation in Stara Zagora. Zwölf von ihnen starben kurz nach der Freilassung. Für zwei von ihnen bekamen wir Rückmeldungen aus dem Ausland:

Ein Jungvogel von Tulovo in der Gegend von Stara Zagora wurde am 5. Juli in die Pflegestation eingeliefert und am 11. August mit dem Ring BGS B0317 freigelassen. Er wurde am 27. August von einem Jäger tot unter einem Stromleitungsmast bei Uzunkopru in der grenznahen Türkei gefunden. Er zog also innerhalb von 16 Tagen 134 Kilometer in süd-südöstlicher Richtung. Sein Fundort liegt näher bei den Dardanellen als beim Bosphorus. Dies deutet darauf hin, dass er entlang dem Fluss Maritsa (Evros, Meric) zog und nicht entlang der Vogelzugstrasse am Westufer des Schwarzen Meers  (Via Pontica).

Die zweite Rückmeldung kam aus dem jordanischen Al Karamah nahe der irakischen Grenze. Sie betrifft einen am 24. August beringten Jungstorch aus dem Dorf Brusen mit dem Ring BGS B0358, der am 8. September von der Pflegestation freigelassen wurde. Er wurde am 18. Oktober in Jordanien mit einem verletzten Flügel gefunden, 1588 Kilometer von Stara Zagora. Obwohl ein Tierarzt versuchte ihn zu heilen, starb er. Es ist bemerkenswert, dass er nicht an der Mittelmeerküste gefunden wurde, sondern 350 Kilometer inland tief in der Wüste.

Im Sommer waren Weissstorch-Nestlinge die zahlreichsten Pflegefälle in der Station in Stara Zagora, mehr als 60 Individuen. Sie wurden in einem offenen Gehege gehalten, sodass sie wegfliegen konnten, sobald sie dafür genug Kraft hatten. Leider verunfallten dabei ein paar an Elektroleitungen. So suchten wir nach einer besseren Lösung. Unweit von Stara Zagora konnte, abseits von Elektroleitungen, eine Feuchtwiese gefunden werden, in der Nähe von einem Teich mit einzelstehenden Bäumen in der Landwirtschaftsfläche. Hier erstellten wir künstliche Horstunterlagen auf Bäumen, welche von den Pflegestörchen gerne als sichere Ruheplätze angenommen wurden. So konnten wir weitere Verluste verhindern. (aus dem Englischen gekürzt von Tobias Salathé)