Storchenhorste in der Schweiz

Storch Schweiz
Cigogne Suisse

 
 

Beobachtung der Weissstörche auf dem Rheinfelder «Kupferturm»

auch «Storchennestturm» genannt, am 29. April 2019 um die Mittagszeit
Text: Stephan Kaiser, www.nv-rheinfelden.ch

Foto: Ruedi Gass

Wetter: Wechselnd bewölkt.
Im Horst steht ein Altstorch (vermutlich das Weibchen), darunter, in der zentral gelegenen Horstmulde halten sich 4, ca. 1 Woche alte Jungstörche mit tiefgrauen, noch rel. kurzen Schnäbeln auf. Die Köpfchen scheinen auf den langen Hälsen schwer zu halten zu sein. Wenn sie sie in bekannter Storchenmanier nach hinten legen, scheinen sie beinahe rückwärts zu purzeln. Das Weibchen wird plötzlich unruhig und nimmt, sich schützend über die Brut stellend, Abwehrhaltung ein. Heranschweben des etwas grösser gewachsenen Männchens, im Schnabel Nistmaterial, das sofort auf dem Horstrand deponiert wird. Der Rückkehrer hat zwei Störenfriede der gleichen Art im Schlepptau. Deren beabsichtigte Landung wird vom Horst aus mit Drohgebärden der Platzhirsche erfolgreich abgewehrt. Aus dem Kropf des zurückgekehrten Altvogels wird Futter (z.B. Würmer) hervor gewürgt, welches von den Jungen sofort gierig aufgepickt wird. Überzähliges Futter wird später von einem der Altstörche wieder aufgenommen. Alles mit dem hervorgewürgten Futter in den Horst gelangte Fremdmaterial wird von den Altstörchen allmählich mit dem Schnabel ergriffen und über den Nestrand entsorgt. Die Kinderstube wird sauber gehalten! Der andere Altstorch widmet sich dem Horstausbau und platziert Altgrasbüschel und auch Äste um.
Die Störche sind in ihrer luftigen Höhe nicht allein. Ihr Horst wird von vor wenigen Tagen ebenfalls aus dem afrikanischen Überwinterungsquartier zurückgekehrten Mauerseglern (Spyren) umflogen, und in den zum Horst aufgeschichteten Ästen tummeln sich Spatzen.

Plötzlich schieben sich dunkle Wolken vor die Sonne. Die Störchin ahnt, was herannaht, macht ihr Gefieder weit, plustert sich auf und lässt sich vorsichtig langsam auf die Brut nieder und hudert ihre Küken. Und schon geht ein kurzer, intensiver Regen nieder, welcher die Luft abkühlt.
Jetzt gleitet der andere Altvogel vom Horst und lässt sich durch die Thermik in die Höhe tragen. Er zieht weite Kreise über den wenigen südlich des Städtchens noch vorhandenen Feldern und entschwindet schliesslich in Richtung Möhlin. Dort hofft er möglicherweise, auf weniger intensiv bewirtschafteten Wiesen, trotz der Trockenheit der vergangenen Wochen noch Nahrung (Kleinsäuger, Grossinsekten, Würmer etc.) für seine hungrigen Jungstörche zu finden.
Inzwischen sind die Regenwolken abgezogen. Die Jungstörche geniessen die wärmenden Sonnenstrahlen. Der Altvogel im Horst ist wieder aufgestanden und deckt die Brut gegen zu intensive Sonne ab. Ein friedliches Bild.

 

 

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