Storchenhorste in der Schweiz

Storch Schweiz
Cigogne Suisse

 
 

Die folgenden Fragestellen waren Bestandteil des Auftrags zur Auswertung der Projektergebnisse und werden deshalb hier, in Zusammenfassung der Ergebnisse der ver-schiedenen Einzelberichte, konkret beantwortet:

  • Wo genau verlaufen die Zugrouten der westziehenden Störche?
  • Wo liegen die wichtigsten Rast- und Nahrungsplätze auf den Zugrouten, wo besteht Mangel an solchen Plätzen?
  • Wo werden Störche bejagt, durch wen und mit welchen Methoden?
  • Wo existieren gefährliche Freileitungen?
  • Welche anderen Gefährdungsfaktoren bestehen auf den Zugrouten und in den Überwinterungsgebieten?
  • Gibt es Unterschiede im Verhalten und Gefährdungsgrad zwischen den Störchen aus dem früheren Wiederansiedlungsprojekt und solchen Störchen, die vom Menschen unabhängig aufgewachsen sind?
  • Welche Massnahmen müssen wie und wo umgesetzt werden, um den Zug der Störche auf der westlichen Route sicherer zu machen?

 


Adresse des Autors:
Dr. Holger Schulz
Goosstroot 1 D-24861 Bergenhusen
Tel.: 0049-4885-902210
mail: schulz.wildlife@t-online.de

Verluste

Verluste bei Senderstörchen, Gefahren und Verlustursachen, Schutzstrategien und zusammenfassende Beantwortung der grundsätzlichen Fragestellungen des Projekts "SOS Storch"
© Dr. Holger Schulz, Bergenhusen, 2003. Ergebnisse aus dem Projekt "SOS Storch". Projektträger: "Storch-Schweiz" (Schweiz. Gesellschaft für den Weissstorch)
Jegliche Verwendung und weitere Verarbeitung der Ergebnisse und Abbildungen aus dieser Arbeit ist nur möglich mit schriftlicher Genehmigung von Autor und Projektträge

Zusammenfassung

Der Bericht befasst sich mit den schutzrelevanten Fakten, die als Ergebnisse aus dem Projekt "SOS Storch" resultieren. An erster Stelle steht dabei die Auswertung von Verlustursachen bei Senderstörchen und nicht besenderten Störchen. Insgesamt 301 tödliche und nicht tödliche Unfälle (Daten von Senderstörchen und aus Direktbeobachtungen) wurden zusammenfassend analysiert und werden sowohl hinsichtlich ihrer relativen Häufigkeit als auch ihrer geografischen Verbreitung in Text und Karten dargestellt.


Als bei weitem wichtigste Todesursache erwies sich der Stromtod an Mittelspannungsleitungen (n=214, >70% der Todesfälle einschl. unbesenderter Vögel). Zu Stromtod-Verlusten kam es hauptsächlich an wenigen gut zu definierenden Schwerpunktgebieten (Region im Ebrotal bei Llerida sowie die grossen Mülldeponien in Südspanien), so dass eine realistische Chance besteht, durch Schutzmassnahmen Abhilfe zu schaffen.


Neben dem Stromtod an Mittelspannungsleitungen und Kollisionen mit Freileitungen (n=18, ca. 6% aller Unfälle und Todesfälle) wurde eine Vielzahl anderer Verlustursachen festgestellt (Verletzungen, z.B. auf Deponien und durch Koppelzäune, Abschuss, Adlerangriff, Windverdriftung, Ertrinken usw.). Alle diese Gefahrenquellen sind jedoch von geringerer Relevanz als der Stromtod und vor allem geografisch nur schwer eingrenzbar, so dass die Umsetzung entsprechender spezifischer Schutzmassnahmen schwierig sein dürfte. Eine Ausnahme bilden hier die Wassertürme in Südfrankreich, in denen Störche durch Ertrinken ums Leben kommen können. Diese Gefahr kann durch entsprechende technische Einrichtungen beseitigt werden. Möglichkeiten zur Entschärfung anderer Gefahrenquellen werden bei diesen jeweils diskutiert.

Im westafrikanischen Winterquartier ist die Umsetzung konkreter Schutzmassnahmen schwierig. Lediglich in zwei Gebieten empfiehlt es sich, Aufklärungskampagnen gegen die Bejagung von Weissstörchen umzusetzen (Grenzbereich Mauretanien/Mali bei Ayoun-el-Atrous, äusseres Niger-Binnendelta).
Während des Zuges sind die Verluste in Europa deutlich höher als in Westafrika. Überwinternde Vögel sind allerdings in Westafrika stärker gefährdet als in Südspanien. Altstörche haben eine wesentlich höhere Überlebenschance als Jungstörche, am höchsten sind die Verluste bei Störchen im ersten Lebensjahr.